Hochtourenwochenende Franz Senn Hütte

05.08.2022

Eine „Mördergruppe“ auf der Franz-Senn-Hütte

3000er – und „Fast3000er“ - Innere Sommerwand, Schafgrübler, Rinnenspitze, Aperer Turm

Von der Franz-Senn-Hütte (2.147 m) am Stubaier Höhenweg aus können zahlreiche Touren unternommen werden. Die Ruderhofspitze (3.474 m) wäre unser großes Ziel gewesen, leider spielte uns diesmal der Wettergott nicht so mit, wie wir es gerne gewollt hätten.

Dennoch verbrachten wir drei tolle Bergtage auf und um diesen beliebten Stützpunkt. Um 5 Uhr ging´s los vom Parkplatz Tennisanlage Deggendorf. Bei der Einteilung der Fahrgemeinschaften mussten wir etwas jonglieren. Mit Markus R. konnten Maria B. , Markus und Christina mitfahren. Auto II war beladen mit Sigi, Sabine und Nicole. Maria G. reiste von Landshut nach Neustift im Stubaital an. Dort trafen wir uns vor dem Hallenbadparkplatz, um mit dem Taxi nach Oberiss zu „schaukeln“.

Das erste Abenteuer, wie sich herausstellte. Die Zufahrtstraße zur Alm war von den vorhergehenden beiden Unwettern innerhalb von drei Tagen ziemlich zerstört worden. Unser Taxifahrer war von der neuen Straßenführung ziemlich unbeeindruckt, obwohl er keinen Jeep zur Verfügung hatte.

Auf der Alm konnten wir uns bei Kaffee und Kuchen wieder gut erholen, bevor wir uns zur Hütte aufmachten. Bis auf Maria G. nutzten wir die komfortable Materialseilbahn – vielleicht hält das trockene Wetter ja noch und wir können uns dann relativ frisch an eine erste Gipfeltour wagen. Markus R. wurde von Sabines unkoordiniertem Stockeinsatz so manches Mal traktiert. Er meinte – „Ein Glück, dass meine Sonnenbrille – äh … Schutzbrille so gut sitzt!“

Auf der Hütte die Wetterprognose gecheckt und wir entschieden uns für den „Schafgrübler“! Sollte es doch noch zu Gewittern kommen, wären wir schneller beim Rückzug, so die Überlegung bei dieser Bergbesteigung. Ein Pfad führt in vielen Kehren über steile Grashänge ins weite Kar der Viller Gruppe empor. Eindrucksvolle Sicht hatten wir auf die wilden Südabstürze der Villerspitze. Auf dem dann links abzweigenden Pfad steigen wir über den plattig-felsigen, stellenweise exponierten Nordostgrat zum Gipfelkreuz (2.922 m) hinauf. Eine herrliche Aussicht auf Ruderhofspitze über dem Alpeiner Ferner und zum Lüsener Fernerkogel mit seinem flachen Gletscher konnten wir genießen, wenn sich die Wolkenfelder lichteten.

Lange hielten wir uns am Gipfel nicht auf, weil die Vorhersage und die Wolkenformation auf „hohe Luftfeuchtigkeit“ schließen ließen. Tja – so wurde unsere Eingehtour auch dann beendet – „pitschnass“ bis auf die Unterhosen kamen wir auf der Hütte an. Die optimistisch Wandernden wurden jedoch noch extrem schnell, als sich auch noch Hagelschauer einstellte.

Der Ärger war nach einer warmen Dusche und dem 3-Gänge-Menü jedoch verflogen. Erst recht nach dem ersten „Zirbal“! Nun wurde es entspannter – und wir überlegten, was wir denn am Samstag noch wettertechnisch machen könnten. Diesmal kein Sigiwetter! Die Prognose lautete: Vormittag „greislig“ – Nachmittag „Dauerregen“! Oje – mit eifriger Beratschlagung einigten wir uns auf eine der vielen „Sommerwände“, der „Inneren“ – vielleicht verhilft uns der Name des Berges zum Sigiwetter! Früh ging`s dann zu Bett.

4 Uhr aufstehen – Thermofrühstück – 5:10 Uhr Abmarsch mit „Hirnbirn“ und wunderschöner Morgenstimmung: Was für ein traumhafter Sonnenaufgang über den Stubaier Bergen!

Für das allein lohnte sich schon der frühe Start.

Markus marschiert wieder hinter Sabine – und weiter geht´s mit der „Stockverteidigungssportart“ – schließlich muss für den „schwarzen Gürtel“ geübt werden! Wir müssen ein strammes Zeitfenster einhalten, weil es nachmittags Gewitter und Regen geben soll. Mittags wollten wir wieder auf der Hütte sein. Die „Innere Sommerwand (3122 m)“ als kombinierte Gletscher- und Bergtour, 1000 hm, erforderte zum Gipfelanstieg auch eine Blockgratkletterei im 1. Grad. So entschied sich Christina bei der Wegabzweigung für die „Vordere Sommerwand“ (2677 m).

Wir marschierten geradeaus weiter: Über Felsplatten eines herabsprudelnden Baches steil aufwärts in die Südostflanken der Sommerwand. Entlang auf dem Moränerücken erreichen wir den Gletschersee am Fuße des Sommerwandferners. Am Gletscherbeginn legten wir unsere Ausrüstung mit Steigeisen an, jedoch ohne Einbinden in eine Seilschaft. Die Gletscherspalten waren gut erkennbar und das Eis begehbar. Wir querten nach rechts in die Kräulscharte (3040 m). Nun waren Kletterkünste für den teilweise versicherten Blockgrat (I) gefragt. Unser „blonder Engel“ voraus, zeigte uns den Weg. Gemeinsam mit hilfreicher Unterstützung unserer „9er-Kletterin Maria“ erreichten wir stolz und glücklich das schöne Gipfelkreuz. Sigi und Markus dokumentierten die abwechslungsreiche und spannende Bergtour mit „krassen Fotos“. Leider nur kurz genossen wir die nicht ganz so freie Rundumsicht. Ein „Gipfelschnapserl“ durfte natürlich auch nicht fehlen!

Anschließend kletterten und stiegen wir dann konzentriert wieder ab. Es soll uns auf keinen Fall Gewitter und Regen in der Wand überraschen. Das letzte Stück Kletterwand seilten wir uns ab – so ging das schnell und sicher. Apropos „Schnell“ – einem Teil der Gruppe, der besonders schnell war – verlieh Markus den Namen „Mördergruppe“ ! So fit und mit extrem viel Biss, dass keiner zugeben würde, nicht mehr zu können! Das galt auch im Anschluss auf der Hütte im Bezug auf die Trinkfestigkeit! Zirberl wurden aber nur konsumiert, um zu heilen – Muskelkater bei Sigi, das Bein von Markus R. und die fehlende Stimme unseres blonden Engels Nicole!

Entspannt und lustig war der Abend heute – so allerlei kreative Wortneuschöpfungen erheiterten die Runde: „Sommernachtstraum“ unser heutiger Berggipfel, „Schafgrunzer“ – oder „Schafbrunzer“ (je nach vorhandener Hörfähigkeit) für den Schafgrübler, die neue Modefarbe für Outdoorklamotten „fleischwurstfarben“… faszinierend fanden wir am Nebentisch die Engländerinnen, die mindestens alle 1,80 m groß waren „ quasi Beine bis zum Boden hatten“ – dazu meinte Markus R., hier bekommt der Begriff „Hochtour“ eine ganz andere Bedeutung. Wir bogen uns vor Lachen.

Ausgelassen lernten wir an dem Abend auch „Felix“ kennen. Ein gutaussehender, sportlicher junger Mann, der auf sein Visum für Kanada wartet und zwischenzeitlich Hüttendienst leistet. Leider konnte er nicht verbergen, dass er „a Preiß is“. Das musste ihm Sabine natürlich unverblümt mitteilen. Er nahm es gelassen hin, was für seinen Sinn für Humor spricht. Tags drauf überraschte er uns auf der Rinnenspitze – 850 hm in 1 Stunde und 8 Minuten – Wow!!

Wir (Nicole, Sigi und ich) brauchten dafür das doppelte an Zeit für den Aufstieg. Schon auch mit schönen Verweilpausen am Rinnensee – Sigi meinte, als er noch jung war … ging das auch noch. Die Rinnenspitze (3003 m) gehört zu den Seven Summits Stubai. Ein zwar leichter 3000er, aber mit einem spannenden Klettergipfelgrat und einem sich gigantisch eröffnenden Ausblick auf die Eisriesen Lüsener Ferner und Lüsener Fernerkogel! Wir waren überwältigt von der Aussicht!

Maria G. und Markus entschieden sich für den „Aperer Turm (2986 m)“ – ein „FastDreiTausender“ mit ebenso Gletscher freien Zugang und schöner Aussicht auf die Stubaier Gletscherwelt rundherum. Markus R., Maria B. und Christina stiegen ab. Markus hatte versprochen, an einem Fußballturnier teilzunehmen. Christina hat mir dankenswerter Weise ihren Autoplatz überlassen, so konnte ich noch auf die Rinnenspitze mitgehen.

Nach anschließender, gemeinsamer Pause auf der Hütte machten wir uns – diesmal mit Rucksack – wieder auf den Weg zur Oberiss Alm. Dort genossen wir wieder ein Getränk bei „Schlagermusik“, soviel Romantik konnten wir gar nicht vertragen. So kam uns die „Schaukelfahrt“ mit dem Taxi ins Tal grad recht. Auf dem Heimweg dann gab´s noch was für die Gesundheit und das leibliche Wohl – ein paar Salatblätter. Wir verabschiedeten uns von Maria und entließen sie in ihre Ferienfreiheit.

Die Rückfahrt war ohne Stau und in Deggendorf begrüßte uns ein traumhafter Sonnenuntergang. Sigi – dein Einfluss auf die Wetterboten ist unglaublich!

Und unglaublich schön wieder diese gemeinsame Unternehmung, auch wenn uns diesmal das „Sigiwetter“ nicht so mitspielte.

Ein herzliches Vergelt´s Gott an unseren Organisator Sigi und an die „Mördergruppe“