Bericht Sektionabend 02.2019

Der Februarsektionsabend des Alpenvereins im Kletterzentrum in Natternberg war gut besucht. Vielleicht war ja der englische Vortragstitel ‚“Peaks of the Balkan“ der Grund für das zahlreiche Erscheinen und grundsätzlich versprechen die Bilder von Christian Sedlmeier eine hervorragende Qualität.

 

Bevor jedoch die virtuelle Balkantour startete, begrüßte der Vorsitzende Jürgen Fröbus besonders den vor wenigen Tagen aus der Antarktis heim gekehrten Berg­führer und Arzt Martin Leitl. Dieser ließ sich dann auch nicht lange bitten, im An­schluss an den Vortrag ganz aktuelle Bilder von der deutschen Forschungsstation zu zeigen, in der erstmals der Versuch unternommen wird, bei solchen unwirtlichen Außentemperaturen, Tomaten, Salat, Kräuter und Gemüse zu züchten, die für den Verzehr, der dortigen Wissenschaftler und Forscher dienen. Die Forschungen dienen der Erkundung von längerfristigen Weltraumaufenthalten.

 

Der Aktionstag des DAV in Bodenmais am vergangenen Samstag über Umwelt verträgliches Skitourengehen, ein kurzer Rück- und Ausblick der aktuellen Pro­gramm­­touren wurden erwähnt und Kletterhallenprojektleiter Erwin Schmid stellte in der Vortragspause den neu ausgestatteten Boulder Raum II in der dritten Ebene des Kletterzentrums vor. „Nach der technischen Abnahme kann dort geklettert werden. Dann wird der Bau der Außenkletterwand angegangen“ so Schmid.

 

Dann bekam Christian Sedlmeier das Wort und nahm seine Zuschauer mit brillianten Bildern gleich mit zum Weitwandern nach Albanien, Kosovo und Montenegro. Dort wo vor kaum 20 Jahren noch Hunderttausende zu Fuß vom Kosovo über die Berge nach Montenegro und Albanien flüchteten, die dortigen Pässe und Hirtenpfade ver­mint waren, ist vor wenigen Jahren der sogenannte „Peaks-of-the-Balkans-Trail“ entstan­den.


 Den grenzüberschreitenden „Friedensweg“, ein unschwieriger Höhenweg, oft ausgesetzt und mit herrlicher Aussicht über weite Gebirgskämme verlaufend, hatte der Vortragende im vergangenen August mit einer Gruppe des DAV-Summit-Club abgewandert. Nach dem sogenannten Kosovo-Krieg (1999) hatten einheimische Alpnisten mit Soldaten der KFOR-Truppen die Region von den gefährlichen Hinter­lassenschaften des Konflikts gesäubert.


Die Lanschaftsbilder von Sedlmeier vermittelten einen Eindruck des schönsten Teils von Europas größtem und naturbelassenem Karstgebirge und der Einsamkeitsfaktor war sprichwörtlich zu nehmen. Die Gruppe war in Peja im Kosovo gestartet und der Zuschauer fühlte sich zunächst in die bayerischen Voralpen versetzt mit ursprüng­lichen Wäldern und knorrigen Bäumen. Blaubeeren, so weit das Auge reichte und rote Berghänge, übersäht mit Waldweidenröschen zierten das Landschaftsbild.

 

Der auch mit Hilfe der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammen­arbeit) ausgebaute „Peaks-of-the-Balkans-Trail“ durchzieht das „Verwunschene Gebirge“ – wie die Einheimischen ihre Region nennen – und verbindet das Drei­ländereck Kosovo, Albanien und Montenegro und die Wandergruppe genoss auf dem gut ausgeschilderten Weg die freundlichen Menschen, die Einsamkeit der Natur und das einfache Leben in den angesteuerten Almen und Berghöfen. „Man fühlte sich oft wie in einen Karl-May-Film versetzt“ so Sedlmeier, wenn Dolomit ähnliche Felsformationen oder weiße Kalkwände vorbei zogen, in einem Gebiet wo der Wanderer Steinadler erlebt und wo es tatsächlich noch Bären und Wölfe gibt.

 

Die 192 Kilometer lange Rundtour endete in Prizren, wo auch deutsche KFOR-Truppen stationiert sind.

 

wang

 

Bild

Christian Sedlmeier auf seiner Wanderung auf dem „Peaks-of-the-Balkans-Trail“
in Albanien. (Foto: Privat)