Besteigung des Schrankogel 3497m

Die letzte Sektionsfahrt in diesem Corona-überschattenden Bergjahr führte die Hochtourenfreunde Deggendorf in die Stubaier Alpen. Mit dem Schrankogel als Hauptziel war nochmal ein renommierter Gipfel auf dem Sektionsprogramm unseres Tourenleiters Stangl Sigi.


Er ist als einer der höchsten „Gipfel mit Weg“ deklariert, obwohl man in dieser Höhe nicht mehr von „Weg“ im eigentlichen Sinne sprechen kann. Es klingt verharmlosend und lockt leider immer wieder Zeitgenossen in diese Regionen, denen sie nicht gewachsen sind.


Aber der Reihe nach: Ziemlich zerstreut war die Anreise der Teilnehmer. Die Ersten konnten es nicht erwarten und fuhren bereits am Donnerstag ins Sulztal, der Großteil Freitag früh und zwei Nachzügler kamen erst kurz vor Hüttenruhe auf der Amberger Hütte (2136m) an. Mit mehr- oder weniger kleinen Akklimationstouren gestaltete man diesen etwas regnerischen Tag.
Untergebracht in zwei geräumigen Bettenlagern, konnte man die Corona-Regelungen leichter einhalten.

1Aufstieg zum Schrankogel


Sehr früh verließen wir nach kurzem Frühstück die Hütte und machten uns auf den abenteuerlichen Weg Richtung zweithöchsten Berg in den Stubaier Alpen. Kurioserweise wurde uns vom Hüttenwirt der Ostgrat empfohlen, von der Hüttenwirtin der Westgrat….   Da es zwei Tage vorher geschneit hatte und noch keiner am Gipfel war, folgten wir der Empfehlung der Hüttenwirtin. Ab einer Höhe von gut 3000m wurde das Terrain schneebedeckt und drei Teilnehmer drehten sicherheitshalber um. Der Rest hatte die Ehre, den Westgrat neu zu spuren. Markierungen waren nur teilweise zu erkennen, aber der Grat an sich ließ nicht viele Varianten zu. Heikel waren einige frischverschneite Kletterstellen, die am Grat zu meistern waren, ehe die Bergsteiger nach fünf Stunden endlich das Gipfelkreuz des Schrankogel erreichten.  Pünktlich zum Gipfelglück lugte auch die Sonne zwischen den Wolken hervor und bescherte den Alpinisten ein sonniges Gipfelerlebnis.


Um eine Spur anspruchsvoller gestaltete sich dann der Abstieg in den schneebedeckten Kletterpassagen. Soo hatte sich keiner der Teilnehmer die Sommertour vorgestellt. Umso erleichterter waren alle, als der Westgrat geschafft war und wieder leichteres Gelände vor ihnen lag.


Auf der Amberger Hütte wurde die erfolgreiche Gipfelbesteigung in gemütlicher Runde genossen. Es war auch ein „Opfer“ unter uns, für den es die erste 3000er-Besteigung war. Traditionell durfte er sich mit einer Runde Schnaps in den Kreis der Hochtourenfreunde ‚einkaufen‘. ;-)


Am Sonntag, bereits mitten in der Nacht starteten zwei ambitionierte Mädels ihre lange Tour auf die anspruchsvolle „Wilde Leck“ (3361m)! Ein anderer Teil machte sich auf den Weg zum 2796m hohen Hüttengipfel Sulzkogel, oder auf den Weg Richtung Sulztalferner am Talschluss. Zwei Gletschererprobte wollten noch auf einen weiteren 3000er und marschierten schon vor dem Frühstück los Richtung Kuhscheibe. Landschaftlich abwechslungsreich und einsam zog sich der lange Weg hinauf bis zum kleinen Roßkarferner. Nach tiefer Spurerei am sulzigen Gletscher erreichten wir den felsigen Kamm, der uns in genussvoller Blockkletterei zum 3188m hohen Gipfel der Kuhscheibe leitete. Leider auch an diesem Tag ohne große Aussicht. Beim Abstieg fiel der rote Schnee ins Auge…   Wie sich herausstellte, handelt es sich um das Phänomen der Schneealge, die sich auf nassen Schnee wohlfühlt. Durch ihre dunklere Oberfläche beschleunigt sie leider aber auch zusätzlich das Abschmelzen der Gletscher.
Zurück an unserem Stützpunkt gab es erst mal die verdiente Kaffeepause auf der sonnigen Hüttenterrasse.


Mit vollgepacktem Rucksack ging‘s anschließend wieder hinunter durch das Sulztal nach Gries. Der wild rauschende Fischbach begleitete unseren Abstieg und sogar der Schrankogel befreite sich ein zweites Mal an diesem Wochenende aus den Wolken und sendete uns einen sonnigen Abschiedsgruß.Leider nur kurz und zu spät. Doch durch das tolle Miteinander, vor allem im heiklen Abstieg vom Schrankogel war es die Tour wert und strahlt im Bergsteigerherzen der teilnehmenden Hochtourenfreunde hell nach!

 

Sigi Stangl

2Auf dem Gipfel des Schrankogel